Freitag, 21. November 2014

Da hilft nur ein heißes Süppchen! Zuppa di ceci, porro e porcini



Es gibt so Tage...
Erst drängeln sich im Bio-Lädchen wieder die Furbi vor, so  nennt man in Italien die "Oberschlauen", die alle anderen für doof halten, dann kann mein Gemüsehändler mit dem Ausdruck "Erbette" nichts anfangen und will mir Petersilie andrehen (Er: "Signora, Erbette sind Erbe (Kräuter) wie Rosmarin, Thymian oder Petersilie." Ich: "Nein, Rosmarin und Thymian nennen sich Erbe aromatiche oder auch Odori. Erbette ist ein Synonym für Bietole [Mangold])". Da kann er mit dem Petersilienstrauß noch so lange unter meiner Nase wedeln! Beim Wechselgeld dann hatte ich auf einmal zuwenig. Nein, das war nicht Absicht, aber mit den Gedanken ist der junge Mann hinter der Kasse immer woanders. Manche können das einfach besser: Die ältere Dame an der Kasse meines Feinkostladens auf dem Campo de' fiori bringt es darin zu einer wahren Meisterschaft, wenn es darum geht, zwei Dinge gleichzeitig zu erledigen. Bei ihren Dauertelefonaten  "arbeitet" sie routiniert die Kundschaft mit einer Hand ab - und verzählt sich nie beim Wechselgeld! Na bitte, es geht doch! Im Multitasking sind Frauen einfach besser!
Später werde ich auf dem Zebrastreifen beinahe umgefahren. Ein Taxifahrer stößt zurück, berührt mich schon, während ein anderer Fußgänger mir gleichzeitig eine Warnung zuruft.
Zu Hause angekommen lese ich dann ein Rezept. Eine kleine Auszeit, die mich eigentlich immer entspannt. Eigentlich...
Kichererbsen 24 Stunden einweichen und dann vier Stunden kochen...
Aha, hat man dann gleich Hummus im Topf?...Ein Drittel pürieren (wohl mit etwas Kochwasser, oder?)... Kichererbsen zu den anderen Zutaten (Steinpilze, Lauch) in den Topf geben (ohne Flüssigkeit, mit den pürierten Kichererbsen?) und 6 Minuten schmoren ("braten" die den dann nicht, denn hier ist von Flüssigkeit nicht mehr die Rede?). Dann das Kochwasser (was ist von wieviel denn nach vier Stunden noch übriggeblieben?)...

Fragen über Fragen.

Zurück auf Anfang. Es ist ein herrlicher Tag, draußen scheint die Sonne, und ich will diese verlockende Kichererbsensuppe mit Lauch und getrockneten Steinpilzen zubereiten, deren Rezept ich in einer Kochzeitschrift gefunden habe! Ein veganes Rezept, das wunderbar zum heutigen Tierfreitag passt.




Zutaten
(für 4 Personen)

200 g getrocknete Kichererbsen
30 g getrocknete Steinpilze
1 Stange Lauch
200 g Mangold
1 Rosmarinzweig und ein paar Thymianzweige
1 Lorbeerblatt
1 Knoblauchzehe
Olivenöl extra vergine
1 El gekörnte Gemüsebrühe, möglichst selbstgemacht
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
Piment d'Espelette

20 g Petersilienblättchen
7 El Olivenöl extra vergine
Salz

Die Kichererbsen in einem Sieb gut abspülen, dann über Nacht in reichlich Wasser einweichen (sie quellen auf). Mindestens 12 Stunden im Wasser lassen, danach absieben und erneut abspülen.
Kichererbsen mit einer geschälten Knoblauchzehe und einem Lorbeerblatt mit zwei Litern Wasser aufsetzen und zugedeckt 2,5-3 Stunden köcheln lassen (zwischendurch die Kichererbsen probieren, sie sollten weich, aber noch bissfest sein).
Kicherbsen durch ein Sieb geben, dabei das Kochwasser auffangen.Lorbeerblatt entfernen.
Ein Drittel der Kichererbsen mit einer Suppenkelle vom Kochwasser pürieren.
Steinpilze in heißem Wasser eine halbe Stunde lang einweichen, dann aus dem Wasser nehmen.
Rosmarinnadeln abstreifen und kleinschneiden, Thymianblättchen von den Stängeln zupfen.
Den Lauch putzen, in Ringe schneiden und in etwas Olivenöl anschmoren lassen. Die Kräuter, die eingeweichten Steinpilze und sowohl pürierte wie auch ganze Kichererbsen mit etwas von dem Kochwasser (eine Suppenkelle) hinzugeben und 5 Minuten schmoren lassen.
Mangold waschen, die Rippen aus den Blättern entfernen, dann in Streifen schneiden.
Da restliche Kochwasser (ungefähr 1 Liter) mit einem El gekörnte Gemüsebrühe und etwas Piment d'Espelette in den Topf zu dem Gemüse geben, Mangoldstreifen hinzufügen und weitere 15 Minuten zugedeckt köcheln lassen. Kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Ich habe die Suppe noch mit Petersilienpesto beträufelt: Dafür die Petersilienblättchen mit etwas Salz und dem Olivenöl fein pürieren.

Rezeptquelle: Zusammengebastelt nach einem Rezept aus Sale & Pepe, November 2014

tierfreitag

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Montag, 17. November 2014

Waffeltürmchen gegen den Herbstblues



Der Blovevent Seelenwärmer geht in eine zweite Runde; genau passend zur Jahreszeit! Denn auch im vermeintlich immer sonnigen Süden gibt es diese tristen, grauen Tage. Schaue ich zur Zeit über meinen Bildschirm hinweg aus dem Fenster, sehe ich vom Regen nasse Dachschindeln und einen Himmel von undefinierbarer Farbe. Zwischendurch schüttet es oft wie aus Eimern, und nicht selten muss ich schon am frühen Nachmittag - auch hier geht zur Zeit die (gerade nicht vorhandene) Sonne gegen 17 Uhr unter - die Lampen anmachen, da es so düster ist. Das drückt auf die Stimmung - und damit wären wir wieder beim eigentlichen Thema.
Was richtet uns in solchen Momenten kulinarisch wieder auf, fragt Sabine vom Blog "Schmeckt nach mehr". Schon in der ersten Runde vor über einem Jahr war ich dabei: mit einem süßen Couscous mit gemischten Waldbeeren. Aber damit sind meine Seelentrösterrezepte noch lange nicht ausgereizt!




Auch ich, als gänzlich "Unsüße", verlange in manchen Stimmungslagen vor allem nach etwas Warmem und Süßem. Das hat so etwas Tröstendes. Da koche ich mir schon mal einen Grießbrei, auch wenn spätestens eine halbe Stunde nach dem süßen Löffelgenuß wieder etwas Salziges dran glauben muss, und wenn es ein paar meiner geliebten Taggiasche-Oliven sind.
Waffeln, die ich leider viel zu selten backe (warum eigentlich?), gehören zu meinen bewährten Stimmungsaufhellern aus der Sparte Comfort Food. Ich mag sie am liebsten ohne irgendwelche Extras: Frisch gebacken nach einem einfachen Grundrezept und mit luftig geschlagener, ungesüßter Sahne, besser noch mit Crème fraîche. Manchmal darf es aber auch etwas raffinierter sein, besonders, wenn die Waffeln eine sonntägliche Kaffeetafel bereichern sollen.




Zutaten
(für ca. 10 Waffeln)

125 g weiche Butter + etwas Butter für das Waffeleisen
40 g Zucker
1 P. Vanillinzucker
1 Prise Kardamon
1 Tl Zimt
1 Prise Salz
4 Eier
1/4 L Kefir
1 Apfel
250 g Mehl, gesiebt
Puderzucker
süße Sahne + Preiselbeerkompott

Die Eier trennen, Eiweiße mit einer Prise Zucker sehr steifschlagen und bis zur Verwendung im Kühlschrank aufbewahren.
Die weiche Butter mit den Eigelben, dem Zucker, Vanillinzucker, Zimt und Kardamon zu einer geschmeidigen Crème verrühren. Dann abwechselnd Kefir und Mehl einarbeiten.
Den Apfel schälen, entkernen und raspeln. Mit dem Eischnee unter den Teig heben.
Waffeleisen leicht mit der Butter fetten und die Waffeln in drei bis fünf Minuten ausbacken.
Die fertigen Waffeln mit Puderzucker bestreuen.
Sahne steifschlagen und nach Belieben Preiselbeerkompott darunterziehen. Zu den Waffeln reichen.



Seelenfutter


♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Mittwoch, 12. November 2014

Küchenexperimente: Selbstgemachte gekörnte Gemüsebrühe



Viele Dinge sehen ich nicht ganz so dogmatisch: Ich finde nichts Verwerfliches dabei, Blätterteig aus dem Kühlregal zu verwenden, und aus Deutschland bringe ich mir auch schon einmal fertige Fonds in Gläsern mit, den man in Italien nirgends kaufen kann. Auch Ketchup habe ich noch nicht selber hergestellt (mittlerweile aber immer öfters Mayonnaise), in meinem Freezer schlummern Tiefkühlerbsen, ich verwende für diverse Sughi gerne auch die nicht ganzjährlich erhältlichen San-Marzano-Tomaten aus der Dose -  und nein, ich habe dabei kein schlechtes Gewissen, auf diese Produkte an und an zurückzugreifen.
Ich kann nicht alles selbst machen! Punkt! Manchmal fehlt mir dazu die Lust, oft die Zeit, praktisch gesehen immer der Platz. Dutzende Gläser mit Fonds unterzubringen - denn die zeitaufwendige Herstellung muss sich auch in einer adäquaten Quantität lohnen -, ist in meinem Haushalt ohne Keller- oder Vorratsräume schlichtweg unmöglich. Trotzdem habe ich mittlerweile auch schon Fonds in kleineren Mengen eingekocht - und was soll ich sagen: es macht Spaß und auch ein bisschen Stolz, auf dieser hocharomatischen Basis eine Sauce oder Suppe aufzubauen.
Wer mein Blog regelmäßig liest, weiß aber auch, dass ich vorwiegend mit frischen Produkten und ohne das sogenannte Convenience Food koche.
Nachdem ich jede Menge Karotten und Stangensellerie im Hause hatte, Gemüse, das man in der italienischen Küche immer wieder für das sogenannte "Soffritto" benötigt - Basis für ein Ragù, um nur ein Beispiel zu nennen -, fing ich an, im Netz nach Gemüsebrühepulver zu suchen. Da die Herstellung nach meinem erwählten Rezept nicht an einem Tag zu bewältigen und ich gerade am Kofferpacken war, verschob ich das Experiment und fror wie gehabt Karotten- und Stangensellerie, in feine Würfel geschnitten, ein. Aber bei meiner Rückkehr, so schwor ich mir, wird das ausprobiert mit dem selbstgemachten Gemüsebrühepulver!


Mein hier vorgestelltes Rezept geht weitgehend, aber doch mit einigen Abweichungen zurück auf die gekörnte Brühe im Blog von Herrn Grün, der seinerseits auf einen Blogbeitrag mit dem Gemüsebrühepulver von Frau Liebe verweist. Na, Ihr wisst ja, wie das ist, wenn ein Rezept durch die Blogosphäre geistert.


Für mein grobkörniges Gemüsebrühegranulat braucht man:

2 Karotten (ca. 170 g)
1 große Gemüsezwiebel
1 rote Paprikaschote
1 Bund glatte Petersilie
1 Stange Lauch (ca. 230 g, ich verwende nur den weißen Teil)
200 g Stangensellerie (mit Blättern)
ca. 1,5-2  El Salz 

Tag 1: Das Gemüse waschen und trockentupfen, Karotten fein abschälen. Blätter vom Stangensellerie zusammen mit der Blattpetersilie mit dem Wiegemesser zerkleinern. Paprikaschoten vierteln, weiße Trennwände und Kerne entfernen und in feine Streifen schneiden. Lauch in feine Ringe und die Zwiebeln in Würfel schneiden. Karotten und Standensellerie fein raspeln (geht am besten mit einer Küchenmaschine).
Den Backofen bei Umluft (wichtig!) auf 90 Grad vorheizen.
Das Gemüse nebeneinander auf zwei Backblechen verteilen. Bei meiner angegebenen Menge waren zwei Bleche erforderlich.
Die Bleche für zwei Stunden in den Ofen schieben, dabei jede halbe Stunde das Gemüse kurz durchmischen und wieder flach auf den Blechen verteilen.
Da sich etwas Kondenswasser gebildet hatte, habe ich in die Backofentür einen Kochlöffel geklemmt, damit die Feuchtigkeit entweichen konnte.
Danach den Ofen ausschalten und das Gemüse im noch warmen Ofen mehrere Stunden nachtrocknen lassen. Die Paprika- und Zwiebelanteile waren wegen des wohl höheren Wasseranteils trotzdem noch weich. Ich vereine das Gemüse auf einem Blech (es ist ja nun etwas zusammengeschrumpft), mische einen Esslöffel Salz darunter, in der Hoffnung, dass es die verbleibende Feuchtigkeit aus dem Gemüse zieht, und bewahre das Blech über Nacht im Ofen auf.




Tag 2: Auch am folgenden Tag bleiben Zwiebel und Paprika die "Sorgenkinder". Trotzdem wirkt das Gemüse insgesamt trockener. Ich schalte den Ofen erneut auf 90 Grad bei Umluft und lasse nachtrocknen. Danach fühlt es sich tatsächlich kaum noch feucht. Ich lasse es noch eine Nacht auf dem Backblech im ausgeschalteten Ofen.



Tag 3: Der große Tag ist gekommen: Das getrocknete, sehr aromatisch duftende Gemüse kommt mit noch etwas Salz in den Blender und wird zerkleinert. Die Salzmenge dabei nach Belieben anpassen. Die Menge reicht aus für zwei kleine Einmachgläser.







FAZIT:
Pro: Man weiß hier wirklich, was man im Glas hat, jedenfalls keine undefinierbare, übersalzene und mit Geschmacksverstärkern oder Glutamat angereicherte "Gemüse"-Brühe. Als Gewürz angewendet vertieft es das Aroma von Suppen und Sughi.
Contra: Eine etwas zeitaufwendige Angelegenheit. Leider lässt sich das Gemüse nach dem Trocknen auch im Mixer nicht zu einem wirklich feinen "Pulver" verarbeiten. Vielleicht kommt man hier mit einem Mörser weiter. Dieses Gemüsebrühegranulat ersetzt keine selbstgekochte Gemüsebrühe und ähnelt eher dem altbewährten Suppengrün.
Nachtrag: Bei Facebook bekam ich einen guten Tipp, wie man die gekörnte Brühe noch feiner mahlen kann: Mit einer Kaffeemühle. Ich habe es sofort ausprobiert, und das Ergebnis war sehr zufriedenstellend.




♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 7. November 2014

Auf dem Weg zum "Mangiafagioli" - oder wie die "Fagioli al fiasco" beinahe zum Fiasko wurden



Wenn das so weitergeht, werde auch ich noch zum "Mangiafagioli" - zum "Bohnen(fr)esser", wie man in Italien ein wenig schelmisch die Bewohner der Toskana nennt. Aber selber Schuld: In der Toskana gibt es wirklich kaum eine Trattoria, die keine Bohnen als Beilage auf ihrer Speisekarte führt.
Von mir gibt es nun eine dritte toskanische Spezialität in Folge mit den weißen Cannellini-Bohnen. Ich hatte Euch ja vorgewarnt (und hoffentlich auch neugierig gemacht). Nach der Ribollita und dem Aufstrich für die Crostini con crema di cannellini folgt nun das in der Zubereitung wohl ungewöhnlichste Rezept, denn die Bohnen werden auf ganz besondere Art und Weise gekocht.
Die Zubereitung dieser typischen Beilage aus der Toskana - den Fagioli al fiasco - verlangt dem Koch oder der Köchin etwas Geduld ab. Es dauert schon einige Stunden, bis man das Bohnengericht zu Tisch bringen kann. Früher nutze man eine ganze, lange Nacht, denn die bauchige Flasche, nach der dieses Gericht benannt ist, wurde einfach in die Glut des noch warmen Ofens gestellt, in dem man das Brot gebacken hatte. So konnten die Bohnen über Nacht langsam schmoren.
Auch heute verlangt die Zubereitung einige Stunden; leider nur steht mir keine offene Feuerstelle zur Verfügung, und so wurden die Bohnen ersatzweise im Wasserbad weichgekocht.
Ich musste mir erst einmal eine passende Flasche besorgen, um die Bohnen nach den traditionellen Rezepten zuzubereiten. In Rom scheinen jedoch viele das Gericht nicht zu kennen, und auch die betagte Ladenbesitzerin des kleinen Geschäfts "um die Ecke", die von Kochtöpfen, Wäscheklammern, Müllsäcken und Plastikwannen bis hin zu gläsernen Joghurtbechern, die sie wohl vorher ausgelöffelt, gesäubert und wieder zum Verkauf anbietet, so alles führt, was man eben so im Haushalt brauchen kann, schüttelte nur den Kopf.


Tante-Emma-Laden für Haushaltswaren auf römisch

Von diesem Gericht und auch dessen Zubereitung hatte sie jedenfalls noch nie gehört. Ich bin dann bis zum römischen Ghetto gelaufen, wo ich schließlich in einem ebenfalls sehr abenteuerlichen Geschäft, angesiedelt zwischen Drogeriemarkt und Haushaltswaren, eine bauchige Flasche erstand  - der ein trauriges Schicksal bevorstand.
Die Zubereitung der Bohnen endete beinahe in in einem kleinen - Fiasko, ja richtig: Fiasko (davon später mehr)! Das Wort, das wir heute für Missgeschicke benutzen, leitet sich tatsächlich von der Bezeichnung für die bauchigen Chianti-Flaschen ab! 
Ich war also kurz davor, eine jener Flaschen mit Chianti-Wein zu kaufen, die man heute hauptsächlich den Touristen andreht. Leider hat dieser Fusel in den zurückliegenden Jahren den berühmtesten Wein der Toskana aufs Vortrefflichste in Verruf gebracht. 
Ursprünglich wurden in der Toskana die bauchigen Flaschen, nachdem der Wein getrunken war, für die Zubereitung dieses Bohnengerichts weiterverwendet. Dafür musste auf jeden Fall vorher der Bast entfernt werden, der sonst in der Glut Feuer gefangen hätte. Der Bast diente einst dem Schutz des Glases. 
Mir blieb der Kauf einer solchen Flasche - und deren Inhalt - glücklicherweise erspart. Als Fiaschetterie bezeichnen sich übrigens noch heute einige Läden der Toskana, in denen man Wein probieren und auch kaufen kann.
Mein Fläschchen war zwar nicht sehr groß, reichte aber aus, um 200 Gramm der getrockneten Cannellini-Bohnen darin zuzubereiten. Auf jeden Fall sollte die Öffnung weit genug sein, um die gekochten Bohnen wieder herauszulassen; mit einer normalen Weinflasche klappt das nämlich nicht.
Selten war ich auf das Ergebnis so gespannt!




Zutaten
(für zwei Personen)

200 g getrocknete Cannellini-Bohnen
1 Knoblauchzehe
3-4 Salbeiblätter
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
Olivenöl extra vergine

1 bauchige Flasche von ca. 1 L Inhalt
etwas Watte

Die Bohnen in ein Sieb geben und abbrausen. In eine Schüssel füllen, mit Wasser bedecken und zwölf Stunden einweichen. Danach abgießen und nochmals abbrausen.
Nun werden die Bohnen in die bauchige Flasche gefüllt, Salbeiblätter, die angedrückte Knoblauchzehe, drei Esslöffel Olivenöl und frisch gemahlener Pfeffer kommen dazu. Sogar etwas Salz, eine Zutat, die eigentlich beim Weichkochen von Hülsenfrüchte tabu ist, aber so hatte ich es in allen Rezepten gelesen.
Nun wird die Flasche mit Watte verschlossen und in einen mit Wasser gefüllten und gegen das Klappern mit einem Küchentuch ausgelegten Topf gestellt.



Das Wasser wird zum Kochen gebracht und muss dann fünf Stunden köchelnd gehalten werden. Ab und an muss man etwas Wasser in den Topf nachgießen (nicht in die Flasche!!) - und da passierte gut eine Stunde vor dem Ende der Kochzeit das kleine Missgeschick, das beinahe in dem sprichwörtlichen Fiasko geendet hätte: Zu kühles Wasser spritze auf die heiße Flasche, und sie sprang mit einem kleinen "Knacks". Ich bibberte dem Ende entgegen, aber tapfer hielt meine kleine Flasche mit dem Riss im Glas durch, brach nicht vollständig auseinander und bewahrte somit ihren Inhalt, auch wenn ich sie danach leider wegwerfen musste.
Nach fünf Stunden war der große Augenblick gekommen. Ich ließ die Flasche eine Zeit lange im Wasser auskühlen, kippte dann ihren Inhalt in eine Schüssel, was ungefähr dieselbe zurückhaltend-energische Kraft erforderte, mit der man auch mit einer Ketchup-Flasche hantiert. Die gesprungene Flasche hielt auch hier tapfer durch!
Die Bohnen nun nochmal mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit etwas Olivenöl begießen. Fleischliebhaber müssen sich jetzt eine Bistecca alla Fiorentina dazudenken. Dann fühlt man sich wie in einer toskanischen Trattoria!



tierfreitag

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Freitag, 31. Oktober 2014

Toskanische Appetithäppchen: Crostini con crema di fagioli cannellini


Da müsst Ihr jetzt durch: Es wird noch mindestens ein weiteres Rezept mit den weißen Cannellini-Bohnen aus der Toskana geben, die mir von den Einkäufen für meine Ribollita übriggeblieben sind. Ihr dürft also neugierig bleiben!
Doch zunächst zu einem typischen Antipasto der bäuerlichen Küche der Toskana.
Wer Hummus mag, wird diese Crème aus Cannellini-Bohnen lieben! Crostini mit unterschiedlichem Belag bilden in der ländlichen Toskana oft den Auftakt zu einer deftigen, oft fleischlastigen Schlemmerei. Bei diesem Aufstrich für den kleinen Bruder der Bruschetta, dem Crostino, verbindet sich der feine Salbeigeschmack mit einem Hauch von Knoblauch. So unscheinbar dieser Dipp auch aussehen mag, das Aroma ist himmlich - ich komme ins Schwärmen! Alle nachfolgenden Gänge können gerne auf sich warten lassen. Stellt mir ein paar dieser Crostini auf den Tisch, ein Schälchen mit Oliven und ein Glas Rotwein - und ich bin glücklich!




Zutaten
(für ca. 15 kleine Crostini)

100 g getrocknete Cannellini-Bohnen
2 Knoblauchzehen
1 kleine Schalotte
Olivenöl extra vergine
Salz, frisch gemahlener Pfeffer
Salbeiblätter
geröstete Brotscheiben (Ciabatta oder auch Baguette)

Die getrockneten Bohnen in einem Sieb abbrausen, in eine Schüssel geben und mit Wasser bedecken. Die Bohnen ungefähr 12 Stunden lang einweichen. Danach abgießen und in einem Topf mit frischem Wasser aufsetzen. Ein Salbeiblatt und eine geschälte Knoblauchzehe dazugeben und ungefähr 45-60 Minuten lang köcheln lassen. Die Bohnen sollten weich werden, aber möglichst nicht zu sehr zerfallen.
Nach dieser Zeit die Bohnen abgießen, Kochwasser aufheben.
Die Schalotte in feine Würfel schneiden, Knoblauchzehe und vier Salbeiblätter hacken. In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen und Schalottenwürfel, Knoblauch und Salbei anschwitzen. Die Bohnen hinzugeben und ungefähr zehn Minuten in der Pfanne schmoren lassen.
Bohnen nun mit Salz und Pfeffer abschmecken, in ein hohes Gefäß geben und mit 2-3 El Olivenöl sowie etwas Bohnenkochwasser pürieren; dabei hilft ein Schneidestab. Ich habe die Crème ziemlich "kompakt" gelassen, wer sie geschmeidiger mag, kann sie mit zusätzlichem Olivenöl oder dem Kochwasser der Bohnen "strecken".
In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen und ein paar Salbeiblättchen kurz anbraten.
Brotscheiben toasten oder unter dem Backofengrill rösten und mit der möglichst noch warmen Bohnencrème bestreichen. Mit jeweils einem knusprigen Salbeiblatt belegen und noch etwas von dem aromatisierten Olivenöl aus der Pfanne beträufeln.



tierfreitag

♥♥♥
Un abbraccio
Ariane

Share It

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...